21. März 2022

Interview Michael Korden, Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion seit 01.03.2022, mit der Rhein-Zeitung

Seit 1965 wur­de der Kreis Ahr­wei­ler von CDU-Lan­d­rä­­ten geführt. Jetzt hat mit Cor­ne­lia Wei­gand eine par­tei­lo­se Frau den Chef­ses­sel im Kreis­haus ein­ge­nom­men. Der Kan­di­dat der Christ­de­mo­kra­ten, Horst Gies, mach­te im Janu­ar das Ren­nen nicht. Auch bei der jüngs­ten Bun­des­tags­wahl haben die Christ­de­mo­kra­ten nach 2017 (-8,2 Pro­zent) die nächs­te Klat­sche bekom­men. Was ist pas­siert mit dem schwar­zen Land­kreis in Rhein­­land-Pfalz? Die RZhat Fra­gen an den neu­en Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den im Kreis­tag Micha­el Kor­den aus Ade­nau, der für einen Genera­ti­ons­wech­sel in der Par­tei steht. 

Sind die Zei­ten vor­bei, in denen der Nor­den des Lan­des Rhein­­land-Pfalz als siche­re Hoch­burg für die CDU, die im Kreis Ahr­wei­ler rund 1600 Mit­glie­der hat, galt?

Es gibt für uns kei­ne Abos mehr, und das ist über­all so. Die Bin­dung an die Par­tei­en hat abge­nom­men. Es gibt mehr Wech­sel­wäh­ler. Wahl­er­geb­nis­se unter­lie­gen oft kurz­fris­ti­gen Stim­mun­gen. Par­tei­los ist bei Direktwah­len dage­gen ange­sagt, wird von vie­len der­zeit  als ide­al emp­fun­den“,  so Micha­el Kor­den, der auch die Per­so­nal­de­bat­te zwi­schen CDU und CSU um die Kanz­ler­kan­di­da­tur mit dafür ver­ant­wort­lich macht, dass der Unmut gewach­sen ist. Es habe Aus­trit­te wegen Laschet gege­ben. Er selbst favo­ri­sier­te Fried­rich Merz, hät­te auch mit Nor­bert Rött­gen bes­ser leben kön­nen als mit Armin Laschet. Eine spä­te­re Dis­kus­si­on im Kreis­vor­stand zur Fra­ge der Kanz­ler­kan­di­da­tur sei dann deut­lich in Rich­tung Mar­kus Söder gegan­gen. Ein Ergeb­nis, das man sei­ner­zeit unauf­ge­for­dert an die Uni­onsspit­ze in Rhein­­land-Pfalz wei­ter­ge­reicht habe. „Die Kan­di­da­ten­fin­dung hat die Basis und die Stamm­wäh­ler ver­är­gert“, so Kor­den. Bei den jüngs­ten Land­tags­wah­len habe die CDU zwar auch Feder gelas­sen, aber Horst Gies habe als Direkt­kan­di­dat mit 45,2 Pro­zent ein Ergeb­nis über Lan­des­schnitt erzielt. 

Unmit­tel­bar vor der Bun­des­tags­wahl gab es die Hoch­was­ser­ka­ta­stro­phe im Kreis Ahr­wei­ler. Wel­chen Anteil hat Ex-Lan­d­­rat Pföh­ler (CDU) mit sei­nem Ver­hal­ten in der Flut­nacht am Stimmenverlust? 

Die CDU wur­de danach in Mit­haf­tung genom­men“, sagt Kor­den, ohne die Rol­le Pföh­lers in der Flut­nacht abschlie­ßend bewer­ten zu wol­len. „Wir haben mit ihm zusam­men ja auch gute Arbeit geleis­tet“, erin­nert der neue Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de an eine Ver­gan­gen­heit in bes­se­ren Zei­ten. Ob Horst Gies, der als Ers­ter Bei­geord­ne­ter stell­ver­tre­tend die Amts­ge­schäf­te für Pföh­ler über­nom­men hat, dann der rich­ti­ge Kan­di­dat für die Nach­fol­ge war? „Er kam direkt in Fra­ge. Er ist aner­kannt und beliebt. Wir haben auf sei­nen Bekannt­heits­grad gesetzt“, erklärt Korden. 

Die Wäh­ler haben anders ent­schie­den. Sie woll­ten einen poli­ti­schen Neu­an­fang. Was hat die CDU falsch gemacht oder ver­nach­läs­sigt? War man sich zu sicher? 

Da kam alles zusam­men – die Flut, der nega­ti­ve Bun­des­trend und bei vie­len Par­teienver­tros­sen­heit mit der Über­zeu­gung, dass die eta­blier­ten Par­tei­en sowie­so alles machen wie immer. Par­tei­los ist dann die nahe­lie­gen­de Lösung.“, so Korden. 

Wie geht es jetzt weiter? 

Es wird eine neue CDU-Kan­di­da­ten­lis­te für die nächs­te Kreis­tagswahl 2024 geben mit vie­len jün­ge­ren und neu­en Gesich­tern “, kün­digt Kor­den einen Genera­tio­nen­wech­sel an. Verdien­te Mit­glie­der, die über 20 und mehr Jah­re Aktiv­pos­ten waren und maß­geb­li­che Funk­tio­nen beklei­det haben, zögen sich aus dem Kreis­vor­stand und Kreis­tag zurück. Das sei aller­dings im Hin­blick auf die bevor­ste­hen­den Kom­mu­nal­wah­len auch mit einem Risi­ko behaf­tet, denn die­se Alt­ge­dien­ten hät­ten ver­läss­lich auch vie­le Stim­men auf sich ver­ei­nigt. „Jetzt muss sich die jun­ge Genera­ti­on bekannt machen“, so Korden. 

Wie will man sich jetzt für die Zukunft auf­stel­len? Wel­che The­men sol­len wie besetzt werden? 

Man muss die Wahl­er­geb­nis­se als Auf­trag zur Erneue­rung, zur Moder­ni­sie­rung, aber auch Öff­nung der CDU sehen mit einer stär­ke­ren Mit­glie­der­be­tei­li­gung und einer CDU, die den Dia­log mit dem Bür­ger sucht. Dar­an sol­len nicht nur die Jun­ge Uni­on und die Frau­enUnion, son­dern auch die Senio­ren Union betei­ligt wer­den“, so Kor­den. „In der Ver­bands­ge­mein­de Ade­nau gibt es im VG-Rat bei­spiels­wei­se bereits eine Frak­ti­on, deren Mit­glie­der über­wie­gend zwi­schen 35 und 45Jah­ren sind.“ Doch Kor­den weiß auch, dass es eine Her­aus­for­de­rung bleibt, in den Grün­der­jah­ren zwi­schen Haus­bau und Fami­lie noch Zeit auf­zu­brin­gen, in einem sol­chen Ehren­amt Ver­ant­wor­tung zu tragen. 

Wie wird die Zusam­men­ar­beit mit der künf­ti­gen Land­rä­tin aus­se­hen? Bei ihrer Amts­ein­füh­rung merk­te sie an, dass nun nicht die Zeit für poli­ti­sche Macht­kämp­fe sei. Sie braucht poli­ti­sche Mehr­hei­ten. Wie soll die Zusam­men­ar­beit aus­se­hen, und wel­che Chan­cen gibt es für die CDU das eige­ne Pro­fil zu schärfen? 

 „Macht­kämp­fe will und braucht kei­ner. Wir wol­len alle ver­trau­lich zusam­men­ar­bei­ten und sind für ein offe­nesund unkom­pli­zier­tes Mit­ein­an­der “, so Micha­el Kor­den. Für die Frak­ti­on sieht er die Chan­ce, als Ideen­ge­ber in der eige­nen Rol­le im Kreis­tag selbst­be­wusst agie­ren zu kön­nen.  ÖPNV, Schu­le, Kin­der­be­treu­ung, mit­tel­stän­di­sche Wirt­schaft und Tou­ris­mus – das sei­en The­men, denen sich die CDU all­tags­nah wid­men wol­le. „Der Kreis könn­te auch ein Motor sein, wenn es um mehr inter­kom­mu­na­le Zusam­men­ar­beit geht. Und der Kli­ma­schutz ist als The­ma beim allem mit­zu­den­ken. Wir wol­len im Kreis­tag kei­ne Tages­ord­nung abar­bei­ten, son­dern eige­ne Akzen­te set­zen.“  Vor allem sei es wich­tig, so Kor­den, die Anlie­gen jun­ger Fami­li­en und ihrer Per­spek­ti­ven in der Hei­mat abzu­bil­den. „Eine Anre­gung von mir ist es, auf Ebe­ne der CDU einen Arbeits­kreis Jun­ge Fami­lie zu gründen.“