21. März 2022

Interview Karl-Heinz Sundheimer, Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion von 1994 bis 28.02.2022

26 Jah­re lang übte er das Amt des Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den der CDU im Ahr­wei­ler Kreis­tag aus: Karl-Heinz Sund­hei­mer. Nun gibt er den Pos­ten ab. Sein Kreis­tags­man­dat will der Kem­pe­ni­cher jedoch behal­ten. Mit ihm sprach Vic­tor Francke.

GA: War­um zie­hen Sie nur weni­ge Wochen nach der für die CDU ver­lo­re­nen Land­rats­wahl die­sen Schlussstrich?

Karl-Heinz Sund­hei­mer: Bereits 2019 habe ich mei­ner Frak­ti­on mit­ge­teilt, dass ich die Arbeit des Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den nicht noch ein­mal fünf Jah­re machen wer­de. Es ist Zeit für einen Genera­ti­ons­wech­sel. Das soll­te auch früh genug vor der nächs­ten Kom­mu­nal­wahl in 2024 pas­sie­ren. Mein Nach­fol­ger Micha­el Kor­den aus Ade­nau hat also Zeit,noch eige­ne Schwer­punk­te zu set­zen. Die­se Ent­schei­dung war unab­hän­gig vom Aus­gang der Land­rats­wahl. Ich rücke ein­fach nur in die zwei­te Reihe.

GA: Kom­mu­nal­po­li­tik und ihre The­men unter­lie­gen immer dem Wan­del der Zeit. Trifft das auch auf das Mit­ein­an­der im Kreis­tag zu? Hat sich dort in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten das Kli­ma verändert?

Sund­hei­mer: Ja, das ist so. In den neun­zi­ger Jah­ren waren die Aus­ein­an­der­set­zun­gen noch schär­fer, manch­mal auch etwas per­sön­li­cher. Das ist immer bes­ser gewor­den. Man spricht mit­ein­an­der und respek­tiert sich. Seit­dem es kei­ne abso­lu­te Mehr­heit für eine Par­tei mehr gibt, muss es Koali­tio­nen oder­Ko­ope­ra­tio­nen geben. Man redet mit­ein­an­der, auch wenn man sich nicht immer gegen­sei­tig über­zeu­gen kann.

GA: Die neue Land­rä­tin hat in ihrer Antritts­re­de erklärt, der Wäh­ler habe der Par­tei­po­li­tik eine kla­re Absa­ge erteilt. Sie for­der­te dazu auf, in Zukunft Sach­po­li­tik zu betrei­ben. Haben die Par­tei­en kei­ne Sach­po­li­tik betrieben?

Sund­hei­mer: Das mit der Absa­ge an die Par­tei­po­li­tik ist eine mög­li­che, aber nicht die allein schlüs­si­ge Erklä­rung für das Ergeb­nis. Aber es ist auch bei die­ser Wahl schon so, dass eine Unzu­frie­den­heit mit den Par­tei­en eine deut­li­che Rol­le spielt. Natür­lich gehört die Flut­ka­ta­stro­phe, die Dis­kus­si­on um Land­rat Pföh­ler, die media­le Prä­senz der Kan­di­da­tin und der Kan­di­da­ten, der Wunsch nach einer neu­en Per­son, einem neu­en Gesicht dazu. Die Aus­sa­ge zur Sach­po­li­tik hat mich indes irri­tiert, weil wir bis­lang selbst­ver­ständ­lich zum Woh­le aller Bür­ger eine Sach­po­li­tik – wenn auch mit unter­schied­li­chen Ansät­zen – betrie­ben haben. Ich darf dar­auf hin­wei­sen, dass eine Viel­zahl von Ent­schei­dun­gen ein­stim­mig, zumin­dest aber mit gro­ßen Mehr­hei­ten zustan­de gekom­men sind.

GA: Haben Sie sich über die Aus­sa­ge der neu­en Land­rä­tin geärgert?

Sund­hei­mer: Zumin­dest war ich – wie vie­le Kol­le­gen aus dem Kreis­tag — erstaunt. Der Kreis ist in unse­rem Land seit vie­len Jah­ren füh­rend in der Schul- und Kita­po­li­tik, bis zum Aus­bruch der Flut­ka­ta­stro­phe brumm­te die Wirt­schaft, kaum ein Land­kreis hat eine so gerin­ge Arbeits­lo­sen­zahl, in kaum einem Kreis gibt es so weni­ge­Insol­ven­zen und eine so flo­rie­ren­de Tou­­ris­­mus- und Gesund­heits­wirt­schaft. Unse­re Sozi­al­po­li­tik wur­de mehr­fach aus­ge­zeich­net, unse­re Ver­schul­dung ist unter­durch­schnitt­lich. Das ist das Ergeb­nis von guter Sachpolitik.

GA: Wie aber ist zu erklä­ren, dass die CDU sowohl in Rema­gen, in Alte­nahr oder auch in Sin­zig die Bür­ger­meis­ter­äm­ter und nun auch im Kreis das Land­rats­amt an unab­hän­gi­ge Bewer­ber ver­lo­ren haben?

Sund­hei­mer: Das hängt sicher auch mit einer Par­tei­en­ver­dros­sen­heit zusam­men. Ins­ge­samt ver­lie­ren gera­de die gro­ßen Par­tei­en ja auch Mit­glie­der. Es ist fest­zu­stel­len, dass selbst bei kom­mu­na­len Wah­len immer mehr Ent­schei­dun­gen aus Bun­­­des- und Lan­des­po­li­tik eine Rol­le spie­len. Es spie­len aber auch loka­le oder regio­na­le Gege­ben­hei­ten eine Rol­le. Oft auch das Alter oder das Geschlecht, viel­leicht auch der Beruf der Kan­di­da­ten, obwohl Ver­wal­tungs­aus­bil­dung oder juris­ti­sche Vor­kennt­nis­se gar nicht mehr so im Vor­der­grund ste­hen. Die Par­tei­zu­ge­hö­rig­keit allein ist sicher kein Erfolgs­re­zept mehr.

GA: Im Kreis­tag wird die bei der Wahl ledig­lich von den Grü­nen unter­stütz­te Land­rä­tin nicht von CDU, SPD, FDP und FWG mit­ge­tra­gen. Was bedeu­tet das für die Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten der neu­en Amtsinhaberin?

Sund­hei­mer: Zunächst ein­mal kein Hemm­nis. Wir wol­len alle das Bes­te für den Kreis Ahr­wei­ler. Natür­lich braucht sie für das Errei­chen von Zie­len Mehr­hei­ten, die sie im Kreis­tag fin­den muss. Sie muss die Rich­tig­keit ihrer Zie­le über­zeu­gend dar­stel­len. Dann wird sie auch Mehr­hei­ten fin­den. Kei­ner will eine Bocka­de­po­li­tik betrei­ben. Der Kreis­tag und sei­ne Aus­schüs­se sind aller­dings die ent­schei­den­den Gre­mi­en. Und die dort getrof­fe­nen Ent­schei­dun­gen hat die Exe­ku­ti­ve, also die Ver­wal­tung, umzusetzen.

Zur Per­son:

Karl-Heinz Sund­hei­mer (70), gebo­ren in Rema­gen, war Lei­ter der Real­schu­le und Fach­ober­schu­le in Ade­nau, ehe er 2014 in den Ruhe­stand ver­setzt wur­de. Er gehört dem Kreis­tag seit 1994 an, dem Gemein­de­rat Kem­pe­nich seit 1984. Sund­hei­mer wur­de 2007 mit der Frei­herr-vom-Stein-Pla­­ke­t­­te ausgezeichnet.