14. Novem­ber 2007

CDU im Kreis sieht sich vor großen Herausforderungen — Kreisparteitag in Dernau — Christdemokraten werben um neue Mitglieder

Einen von Har­mo­nie und Auf­bruch­stim­mung gepräg­ten CDU-Kreis­­par­­tei­­tag erleb­ten die 110 Dele­gier­ten der 2235 orga­ni­sier­ten Christ­de­mo­kra­ten an Ahr, Rhein und in der Eifel am Frei­tag­abend im Dernau­er Gemein­de­saal. Eitel Son­nen­schein herrscht den­noch nicht im CDU-Lager.

Die Par­tei steht vor gro­ßen Her­aus­for­de­run­gen. Sin­ken­de Mit­glie­der­zah­len, Über­al­te­rung und ein unge­sun­des Ver­hält­nis zwi­schen Frau­en und Män­nern (1:4) in den eige­nen Rei­hen mach­te Kreis­vor­sit­zen­der Gui­do Ernst in sei­nem Rechen­schafts­be­richt aus. Zumin­dest der Rück­gang der Mit­glie­der­zah­len kann bereits 2009 direk­te Fol­gen für den Kreis­ver­band haben: Wenn gemein­sam mit den Par­tei­freun­den aus dem Kreis May­­en-Koblenz der Nach­fol­ger für den Dernau­er Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Wil­helm Josef Sebas­ti­an im Wahl­kreis 200 gesucht wird, läuft man erst­mals seit drei Jahr­zehn­ten Gefahr, die Bewer­ber­wahl gegen den mitt­ler­wei­le gleich­star­ken CDU-Ver­­­band aus dem Raum Mayen/Andernach zu ver­lie­ren. ‘Vor die­sem Hin­ter­grund ist es wich­tig, dass wir über die Zahl der Dele­gier­ten, die sich aus der Zahl der CDU-Mit­­­glie­­der in unse­rem Kreis errech­net, eine gute Aus­gangs­po­si­ti­on haben’, moti­vier­te Ernst sei­ne Par­tei­freun­de, die Mit­glie­der­wer­bung zu verstärken.

Um Enga­ge­ment, Geschlos­sen­heit und akti­ve Mit­strei­ter warb Ernst auch mit Blick auf die Kom­mu­nal­wahl 2009. Pro­gram­ma­tisch ist der Vor­sit­zen­de jedoch über­zeugt, mit sei­ner Par­tei im Kreis Ahr­wei­ler auf dem rich­ti­gen Weg zu sein. ‘Wir haben uns den Her­aus­for­de­run­gen in der Ver­gan­gen­heit gestellt. Die guten Ergeb­nis­se unse­rer Arbeit vor der Brust, wer­den wir die Wäh­ler überzeugen.’

Im kom­men­den Jahr will sich die Par­tei ver­stärkt dem The­ma ‘Länd­li­cher Raum’ wid­men und gemein­sam mit dem ‘Wei­ßen Ring’ gegen Gewalt im Kreis vor­ge­hen. ‘Denn die­ses The­ma ist auch bei uns ange­kom­men’, mach­te Ernst klar. Ein wei­te­res dickes Auf­ga­ben­pa­ket steckt für den Kreis­vor­sit­zen­den in der geplan­ten Kom­mu­nal­re­form für Rhein­­land-Pfalz. Ernst ver­tei­dig­te das bestehen­de Sys­tem aus Ver­bands­ge­mein­den, Orts­ge­mein­den und Land­krei­sen. ‘Es hat in 30 Jah­ren für nahe­zu glei­che Lebens­be­din­gun­gen in Rhein­­land-Pfalz gesorgt. Die CDU sei des­halb für eine Reform, die ‘die kom­mu­na­le Ebe­ne stärkt’. Für die Christ­de­mo­kra­ten müs­sen die aktu­el­len Ver­wal­tungs­struk­tu­ren moder­ni­siert, die bestehen­den Ver­hält­nis­se und Auf­ga­ben auf den Prüf­stand. Ent­schei­den­de Kri­te­ri­en sei­en Bür­ger­nä­he, Qua­li­tät der Dienst­leis­tung und Kos­ten­ef­fi­zi­enz. ‘Dabei muss für die Ver­wal­tung gel­ten: Die Trep­pe muss von oben nach unten gekehrt wer­den. Wo immer mög­lich, soll vor Ort ent­schie­den werden.’

Eine Ein­schät­zung zur gro­ßen Koali­ti­on in Ber­lin gab es für die CDU-Dele­­gier­­ten aus dem Kreis zum Abschluss des Par­tei­ta­ges vom Par­la­men­ta­ri­schen Geschäfts­füh­rer der CDU/C­­SU-Frak­­ti­on im Bun­des­tag, Nor­bert Rött­gen. Für den pro­mi­nen­ten Gast­red­ner ist deren größ­ter Erfolg, dass sie einen Para­dig­men­wech­sel ein­ge­läu­tet habe. ’40 Jah­re hat die­ses Land über sei­ne Ver­hält­nis­se gelebt und 1,6 Bil­lio­nen Euro Schul­den ange­häuft. Mit die­ser Poli­tik hat die­se Koali­ti­on gebro­chen.’ Als kla­ren Gewin­ner des Zweck­bünd­nis­ses aus CDU und SPD mach­te Rött­gen sei­ne Par­tei aus. ‘Das bestä­ti­gen uns alle Umfra­gen.’ Die SPD sah er in einer Iden­ti­täts­kri­se und als Volks­par­tei vor einer exis­ten­zi­el­len Bedro­hung. Die Ergeb­nis­se des SPD-Bun­­­des­­par­­tei­­ta­­ges sah er als neue ‘macht­tak­ti­sche Posi­tio­nie­rung’, um sich aus der Zwick­müh­le zwi­schen CDU und der Par­tei ‘Die Lin­ke’ zu befrei­en. Erfolg­rei­che Aus­sich­ten beschied er die­ser Aus­rich­tung nicht: ‘Nur die Par­tei bekommt Akzep­tanz, die den Mensch vor die Par­tei stellt.’ Und das sei der Weg der CDU.

(Rein-Zei­­tung vom 12.11.2007)