6. Mai 2005

Näkel-Surges: ‘SPD-Vorschlag hört sich gut an, greift aber viel zu kurz’ — Elternbeiträge Ganztagsplätze: CDU sieht Mainz in der Pflicht

Auf deut­li­che Kri­tik bei der CDU stößt die For­de­rung der SPD-Lan­d­­tags­­a­b­­ge­or­d­­ne­­ten Petra Els­ner, die Eltern von den Bei­trä­gen der Ganz­tags­be­treu­ung in Kin­der­ta­ges­stät­ten zu befrei­en. ‘Das hört sich gut an, greift aber viel zu kurz’, beton­te die Vor­sit­zen­de der Frau­en-Uni­on im Kreis Ahr­wei­ler, Ingrid Näkel-Sur­­ges. Begrün­dung: Els­ner nen­ne nicht den­je­ni­gen, der dabei in der Pflicht sei, näm­lich den Lan­des­ge­setz­ge­ber in Mainz. 

Die CDU-Poli­­ti­­ke­­rin: ‘Frau Els­ner müss­te wis­sen, dass dafür das Lan­­des-Kin­­der­­ta­­ge­s­­stä­t­­ten­­ge­­setz in Rhein­­land-Pfalz geän­dert wer­den müss­te.’ Als SPD-Abge­­or­d­­ne­­te und Mit­glied der Regie­rungs­ko­ali­ti­on tra­ge Els­ner die Mit­ver­ant­wor­tung für ent­spre­chen­de Umschich­tun­gen der Finan­zen. Für Eltern und den Kreis sei das Ende der Fah­nen­stan­ge jeden­falls erreicht. Wei­te­re Belas­tun­gen sei­en nicht mehr trag­bar, nimmt Näkel-Sur­­ges das Land in die Pflicht und for­dert die SPD-Lan­d­­tags­­a­b­­ge­or­d­­ne­­te auf: ‘Wer kos­ten­lo­se Ganz­tags­plät­ze vor­schlägt, muss auch für die Finan­zie­rung sor­gen. Um der wach­sen­den Bedeu­tung der früh­kind­li­chen Erzie­hung und Bil­dung Rechung zu tra­gen, müss­ten die Eltern mit­tel­fris­tig bei den Kos­ten für die Kin­der­gar­ten­plät­ze ent­las­tet wer­den. Dies dür­fe jedoch nicht zu Las­ten der Kom­mu­nen gehen.’

Die CDU wol­le die Ver­ein­bar­keit von Fami­lie und Beruf vor allem für berufs­tä­ti­ge Eltern wei­ter för­dern, bekräf­tigt die Frau­en Uni­on. Ein wich­ti­ger Bau­stein sei­en die Ganz­tags­plät­ze. Mitt­ler­wei­le stün­den kreis­weit mehr als 500 Ganz­tags­plät­ze zur Ver­fü­gung. Seit dem Jahr 2000, als es kreis­weit ledig­lich 138 Ganz­tags­plät­ze gab, habe sich die Zahl damit fast ver­vier­facht. ‘Wir haben kei­ner­lei finan­zi­el­le Spiel­räu­me, die Gebüh­ren zu sen­ken’, stellt Chris­tel Ripoll, stell­ver­tre­ten­de FU Vor­sit­zen­de fort, zumal eine sozia­le Staf­fe­lung bestehe und im Kreis Ahr­wei­ler ohne­hin rela­tiv nied­ri­ge Bei­trä­ge erho­ben würden.

Ange­sichts rück­läu­fi­ger Gebur­ten­zah­len müs­se alles dar­an gesetzt wer­den, die Ent­schei­dung pro Kind leicht zu machen. Der Rück­gang der Kin­der­zah­len eröff­ne man­chen Tages­stät­ten Spiel­raum für neue Ange­bo­te. ‘Genau hier geht die finan­zi­el­le Sche­re aus­ein­an­der’, kommt Näkel-Sur­­ges auf den Punkt. Rück­läu­fi­ge Kin­der­zah­len einer­seits und wei­te­re Ange­bo­te in den Tages­stät­ten ande­rer­seits müss­ten bezahl­bar blei­ben. Hier sei das Land Rhein­­land-Pfalz gefor­dert. Der Kreis finan­zie­re bereits heu­te 6,3 Mil­lio­nen Euro im Jahr nur für das Per­so­nal und habe inner­halb von zehn Jah­ren 55 Mil­lio­nen Euro für Per­so­nal, Neu­bau­ten und Sanie­run­gen der Kin­der­gär­ten bezahlt. Das habe ent­schei­dend zum Top-Plat­z­an­­ge­­bot von kreis­weit mehr als 100 Pro­zent und dem wei­te­ren Aus­bau der alters­ge­misch­ten Grup­pen geführt.

Das hohe Qua­li­täts­ni­veau habe aller­dings sei­nen Preis, zu dem alle ihren Bei­trag leis­ten müss­ten. Neben dem Kreis, der die erhöh­ten Per­so­nal­kos­ten für die Ganz­tags­be­treu­ung mit­fi­nan­zie­re, gel­te dies auch für die Eltern. So schrei­be das Main­zer Lan­des­ge­setz vor, dass die Eltern­bei­trä­ge bis 17,5 Pro­zent der gesam­ten Per­so­nal­kos­ten betra­gen können.